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Ritter Egkelein Geyling

Das niedere Rittergeschlecht der 'Geylinge' oder 'Geilinge' stammt aus der Windsheimer Bucht in unserem heutigen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, etwa 10 km von Uffenheim entfernt. Der Familienname mittelhochdeutsch 'geil' steht ursprünglich für 'fröhliche Tapferkeit' oder Üppigkeit.
1311 wird vermutlich in Illesheim unweit der freien Reichsstadt Windsheim Egkelein Geyling geboren. In den Zeiten des Umbruchs vom mittelalterlichen Feudal- oder Lehenssystem zum Territorialfürstentum ist Egkelein von der Gunst der mächtigen Edlen von Hohenlohe abhängig. Zur Sicherung seines Lebensunterhalts als Ritter ist er auf seine Kleinlehen angewiesen. Dem durch Handel und Gewerbe reich gewordenen und expandierenden 'Heiligen Römischen Reiches Schatzkästlein', der Reichsstadt Nürnberg steht das auf Naturalwirtschaft basierende und an steter Geldknappheit leidende Klein- und Kleinstrittertum (übrigens besaßen die Geylinge kein Adlesprädikat 'von') gegenüber, das vor der Wahl steht, die traditionelle Finanzierung des Berufkriegers mit seinen teuren Waffen durch Grundherrschaft auf Kosten der nicht Waffentragenden zu erzwingen oder sich als neuer Stadtadel in der Stadt zu integrieren. Egkelein sucht 1369 im Alter von 58 Jahren ersteren Weg. Er wird geächtet und verliert im selben Jahr seine Burg Wald bei Gunzenhausen und lebenswichtige Wirtschaftsgüter an den hohenzoller'schen Burggrafen von Nürnberg. Ein Übereinkommen zwischen den mächtigen Häusern Hohenlohe und Hohenzollern macht ihn vollends zum vogelfreien Bauernopfer. Ab 1377, nun mittlerweile 66 Jahre alt, steht er allein mit seinen Getreuen gegen die Zeitläufte in einem letzlich hoffnungslosen Kampf gegen Nürnberg als größter Wirtschaftsmacht im mitteleuropäischen Raum und ohne Schutz eines mächtigen Lehensherrn. Nur seiner Intelligenz, seinem Mut und Witz ist es zu verdanken, daß er bis 1381 dem Nürnberger Burggrafen und Patriziat erfolgreich trotzen kann, bis er nach einer Denunzierung 1381 als 70jähriger in Neumarkt im Auftrag der Nürnberger gerädert wird.

Die üblichen Kosten für Ergreifung und langwierige wie grausame Hinrichtung blieben der Delinquent bzw. seine Familie allerdings den Häschern und ihren Auftraggebern schuldig...

Egkelein Geyling war keine fränkische 'Till Eulenspiegel' Ausgabe, sondern eine tragische Figur, die in einer revolutionären Zeit des Umbruchs auf den mittelalterlichen Vorstellungen der Grund-und Feudalherrschaft mit ihrem gegenseitigen Treueverhältnis beharrte. Im Volk, das einerseits durch die Propaganda der Mächtigen beeinflußt wurde, welche Egkelein bestensfalls als üblen Strauchritter verdammte, wurde er jedoch in heimlicher Bewunderung bald zur Legende des 'Eppelein von Gailingen' - zum fränkischen Robin Hood mit teils übernatürlichen Kräften ausgestattet, der es den Reichen 'zeigte' - ein bis ins 19. Jahrhundert hineinreichendes Korrektiv im Wunschdenken der unterprivilegierten Bevölkerung unseres Frankenlandes. Sein Leben wurde ausgeschmückt, wobei die bekannteste Geschichte vom Befreiungssprung von Roß und Reiter über die Nürnberger Festungsmauer und Graben handelt. Letzterer mag freilich ursprünglich nicht gar so breit gewesen sein. Die Festung wurde fünf Jahrzehnte nach Egkeleins Hinrichtung zerstört. Wall und Graben wurden später neu und 'sprungsicher' angelegt ...

Martin Nicoly, Scheinfeld